Imani Thompson - Honey

 REZENSION


Eigenerwerb

Honey hat mich vor allem wegen seiner Hauptfigur Yrsa beschäftigt. Sie ist keine Figur, die man einfach mögen oder nicht mögen kann. Ich konnte ihre Wut und ihre Frustration an vielen Stellen verstehen – besonders ihren Blick auf den Umgang mit Frauen und auf die Erfahrungen, die sie als POC macht. Gleichzeitig wird im Laufe der Geschichte immer deutlicher, wie gefährlich es werden kann, wenn aus nachvollziehbarer Wut ein Bedürfnis nach Vergeltung wird.

Besonders spannend fand ich dabei Yrsas Entwicklung. Was zunächst wie ein impulsiver Moment wirkt, setzt etwas in ihr frei. Sie entdeckt, dass Gewalt ihr ein Gefühl von Kontrolle gibt, und beginnt, ihre Handlungen immer stärker vor sich selbst zu rechtfertigen. Ihre akademische Auseinandersetzung mit Rassismus, Sexismus und Gewalt fließt dabei immer wieder in ihre Gedanken ein. Das fand ich interessant, weil Theorie und Realität bei Yrsa zunehmend miteinander verschwimmen.

Überhaupt hat mir gefallen, dass Honey nicht einfach nur ein Thriller über eine Frau ist, die Männer umbringt. Das Buch beschäftigt sich mit Macht, Wut, Rassismus, Feminismus und der Frage, wann der Wunsch nach Gerechtigkeit selbst gefährlich wird. Dabei ist Yrsa gleichzeitig witzig, intelligent, widersprüchlich und zunehmend beunruhigend.

Allerdings hat mich das Buch nicht vollständig überzeugt. Gerade Yrsas Entwicklung fand ich so interessant, dass ich mir am Ende mehr Konsequenz gewünscht hätte. Für mich baut die Geschichte sehr viel Spannung auf und lässt mich dann mit einigen Fragen zurück.

Trotzdem ist Honey für mich ein ungewöhnliches und definitiv diskussionswürdiges Debüt. Vor allem Yrsa ist eine Figur, über die man auch nach dem Lesen noch nachdenken kann – gerade weil man ihre Wut verstehen kann, ohne ihre Entscheidungen gutzuheißen.

Mein Fazit: Ein bissiger, ungewöhnlicher Thriller mit einer faszinierenden und moralisch sehr ambivalenten Hauptfigur. Nicht alles hat für mich funktioniert, und besonders das Ende hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Aber Honey hat mich zum Nachdenken gebracht – und das ist für mich am Ende mehr wert als ein Buch, das einfach nur spannend war.



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