Nora Burgard-Arp und Marlene Borchardt - Essen und Essen lassen
REZENSION Rezensionsexemplar Ich habe mein ganzes Leben lang Kommentare über mein Essverhalten bekommen – mal subtil, mal ganz direkt. Und ich habe das Gefühl, dass es mit dem Älterwerden eher mehr wird als weniger. Das hat etwas mit mir gemacht. Schon immer. So sehr, dass ich heute oft ungern vor Menschen esse, die ich nicht wirklich gut kenne. Vielleicht hat mich genau deshalb Essen und Essen lassen von Nora Burgard-Arp und Marlene Borchardt so berührt. Das Buch setzt genau hier an: bei der ständigen Kommentierung von Essen – und dem, was sie in uns auslöst. Dabei bleibt es aber nicht bei individuellen Erfahrungen oder klassischen Krankheitsbildern wie Bulimie oder Anorexie. Stattdessen öffnet es den Blick für ein größeres Ganzes: für gesellschaftliche Strukturen, kulturelle Prägungen und politische Hintergründe. (Das Patriarchat lässt grüßen.) Es geht um die Frage, warum wir überhaupt so über Essen sprechen, wie wir es tun. Warum wir glauben, uns Genuss verdienen zu müs...